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Das Internet hat die Welt in den letzten Jahrzehnten verändert: Es hat den Zugang zu Informationen demokratisiert und hat unsere Kommunikationsgewohnheiten grundlegend verändert.


In ihrem täglichen Leben und ihren beruflichen Tätigkeiten verlassen sich die Menschen immer mehr auf Internet um Informationen zu erhalten, Kontakte zu knüpfen, alle Daten auszutauschen oder Waren und Dienstleistungen zu erwerben. Aufgrund der kurzfristigen und mittelfristigen technischen Entwicklung werden Internet und die mit Internet verbundenen Geräte in allen Lebensbereichen immer wichtiger.


Kinder und Jugendliche, die sogenannten digitalen Eingeborenen, wachsen mit digitalen Medien auf. Sie nutzen tagtäglich Informations- und Kommunikationstechnologien und die Weiterentwicklung des mobilen Internets und der mit Internet verbundenen Geräten ermöglicht ihnen sich der reichlichen Möglichkeiten zu erfreuen, die es überall bietet. Kinder und Jugendliche sind oftmals besser informiert über die neuesten technischen Möglichkeiten, Entwicklungen und Trends im Bereich der digitalen Medien als ihre Eltern, Lehrer und Betreuer.


Allerdings, als die intensivsten Nutzer des Internets, sind Kinder und Jugendliche aufgrund ihres jungen Alters, ihrer Unerfahrenheit und ihrer Naivität auch mehr Risiken und Gefahren des Internets und der Informations- und Kommunikationstechnologien wie Grooming, Sexting oder Verbreitung persönlicher Daten ausgesetzt.


Ein weiteres erhöhtes Risiko und eine Gefahr für Kinder und Jugendliche als tägliche Nutzer von Internet- und Informations- und Kommunikationstechnologien ist Cyberbullying.
Die verschiedenen Dienste des (KJT) Kanner-Jugendtelefon: Kanner-Jugendtelefon, Helpline für Eltern, Online-Hilfe und BEE SECURE Helpline werden immer mehr von Kindern, Jugendlichen, Eltern, Lehrern und Betreuern zum Thema Cyberbullying in Anspruch genommen. Nach einer Studie, die in den BENELUX-Ländern durchgeführt wurde (CYBERBULLYING IN THE BENELUX COUNTRIES: First findings and ways to address the problem (Übersetz.: Erste Erkenntnisse und Wege zum Angehen des Problems), Georges Steffgen, Heidi Vandebosch, Trijntje Völlink, Gie Deboutte & Francine Dehue, 2010) sind zwischen 8% und 10.4% der Schülerinnen und Schüler zwischen 12 und 24 Jahren Opfer von Cyberbullying. 3.8% bis 4.4% sind regelmäßig Opfer von Cyberbullying (mindestens einmal im Monat) und Cyberbullying tritt öfter außerhalb als innerhalb des Schulumfeldes auf.


Bullying (Mobbing) kann als die wiederholte, absichtliche Verletzung einer Person oder Gruppe durch eine andere Person oder Gruppe definiert werden, wo die Beziehung ein Ungleichgewicht der Macht beinhaltet. Es kann von Angesicht zu Angesicht oder online geschehen und kann viele Formen annehmen, einschließlich körperlicher Gewalt, Drohungen, Spott, Beschimpfungen, und unwahre und gemeine Dinge sagen.
Cyberbullying ist Mobbing, das online mit Internet gesteuerten Geräten wie Desktop-Computern, Laptops, Spielekonsolen, Tablets und natürlich immer mehr Smartphones stattfindet. Cyberbullying kann im sozialen Netzwerk, in Chats, auf Instant Messenger Apps oder sogar auf Spiele-Webseiten auftreten. Manchmal kann Cyber-Mobbing für das Opfer schlimmer sein als das Offline-Mobbing, weil das Internet als öffentlicher Raum funktioniert auf den 24/7 zugegriffen werden kann.


Es gibt verschiedene Formen von Cyberbullying: Flaming (hitziger Streit), Belästigung, Verleumdung, gefälschte Profile, Vertrauensbruch, Ausschluss, Cyberstalking, Cyber-Drohungen, Veröffentlichen von privaten oder peinlichen Bildern online und vieles mehr.


Wie kann man als Eltern feststellen ob sein Kind Opfer von Cyberbullying ist?
Kinder und Jugendliche, die Opfer von Cyberbullying sind, haben oft viele Schwierigkeiten über das Problem zu sprechen. Es braucht Zeit damit sie erkennen, dass sie verletzt sind. Manchmal schämen sie sich Hilfe zu suchen. Darüber hinaus besteht auch die Angst, dass als Folge die Eltern ihnen die Nutzung des Internets verbieten wird.


Es gibt verschiedene Anzeichen von Cyberbullying, auf die Eltern achten können:
Physiologische Zeichen (Mangel an Energie, Schlafstörungen, Veränderung der Essgewohnheiten, Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Übelkeit, ...) und Verhaltenszeichen (ihr Internet verbundenes Gerät schützen, mehr Zeit als üblich online verbringen, sich zurückziehen, zu Hause aggressiv werden, Angst nachdem das Kind online war oder eine Textnachricht gelesen hat, die Schulleistung fällt plötzlich ab, weniger bereit über tägliche Aktivitäten zu sprechen, verbringt weniger Zeit mit Freunden, ...)


Was kann man als Eltern tun, wenn mein Kind Opfer von Cyberbullying ist?
Es braucht viel Mut für eine Person zuzugeben, dass sie oder er Opfer von Cyberbullying ist und aktiv um Hilfe in einer so schwierigen Situation zu suchen, mehr noch für Kinder und Jugendliche, weil sie oft Angst haben, dass die Eltern die Dinge noch schlimmer machen dadurch dass sie mit der Schule reden oder direkt mit dem Tyrann in Verbindung treten.


Ermutigen Sie Ihr Kind, über die Situation zu sprechen:
Für die Eltern ist es wichtig, ruhig zu bleiben und zu bedenken, dass das Kind jetzt Priorität hat und dass das Kind nun die Hilfe und Unterstützung der Eltern braucht, um diese Situation zu meistern. Danken Sie Ihrem Kind, dass es den Mut hat, aktiv Hilfe bei Ihnen zu suchen, versichern Sie ihm, dass Sie als Eltern ihm beistehen um bei seinen Problemen zu helfen. Beschuldigen, bestrafen oder bedrängen Sie das Kind nicht.


Sagen Sie dem Kind sich nicht zu rächen:
Ein Tyrann sucht oft nach einer Reaktion und deshalb sollte ein Kind niemals zurückschlagen oder auf belästigende Nachrichten antworten. Eltern sollten ihren Kindern helfen indem sie ihnen zeigen, wie sie den Tyrann online blockieren können und wie sie Inhalte melden können.


Machen Sie Aufzeichnungen:
Es ist wichtig, Informationen über den Angreifer und das Mobbing zu sammeln. Diese Information kann später als Beweismittel verwendet werden. Zeigen Sie Ihrem Kind, wie sie einen Screenshot machen, eine einfache Möglichkeit, eine Aufzeichnung von Dingen zu machen, die online passieren.


Suchen Sie Hilfe:
Manchmal müssen Kinder und sogar Eltern mit Dritten über die Cyberbullying-Situation sprechen. Handlungshilfen und Beratung von einem nicht beteiligten Fachmann können in einer solchen Situation sehr hilfreich sein. Kinder, Jugendliche, Eltern, Lehrer und Betreuer können sich an die Online-Hilfe des KJT Kanner-Jugendtelefon wenden, einem niedrigschwelligen, anonymen und vertraulichen Dienst. www.kjt.lu


Zögern Sie nicht die Strafverfolgungsbehörden zu kontaktieren:
Im Falle einer sehr schweren Aggression wie Drohungen von Gewalt, körperlicher Aggression, Erpressung usw., sollten die Eltern nicht zögern, die örtliche Polizei zu kontaktieren, um eine Beschwerde einzureichen.


Was kann man als Eltern tun, wenn mein Kind ein Cyberbully ist?
Sehr oft erkennen Kinder und Jugendliche nicht wie sehr ihr Verhalten ihre Opfer verletzt. Eltern sollten ruhig erklären warum ihr Verhalten inakzeptabel ist und überhaupt nicht lustig, wie sie vielleicht zunächst denken würden.
Eltern sollten darauf achten zu erklären, dass es das Verhalten ist, das falsch ist und nicht das Kind, und dass das Verhalten sich ändern muss.
Ferner, da dies ein inakzeptables Benehmen ist, kann Cyberbullying auch echte kriminelle Konsequenzen haben.
Untersuchen Sie mit dem Kind was passiert ist, diskutieren Sie die Begriffe und Anzeichen des Cyberbullying, erkunden Sie wie Ihr Kind sich in der gleichen Situation fühlen würde, erklären Sie was Sie als Eltern als nächsten Schritt unternehmen werden (z.B. sich mit der Schule in Verbindung setzen). Sagen Sie was Sie von ihrem Kind erwarten dass es in Zukunft tun soll und geben Sie ihm Zeit und Raum nachzudenken warum sein Verhalten und seine Taten sich ändern müssen.


Was kann man als Eltern tun, um sein Kind vor dem Cyberbullying zu schützen?

  • Bringen Sie Ihrem Kind vom Kindesalter an bei, vorsichtig zu sein beim online Austausch privater Auskünfte, so ist das Kind weniger gefährdet.
  • Sprechen Sie über Cyberbullying in Ihrer Familie, so dass das Kind weiß, welche Situation als Cyberbullying betrachtet werden kann, und dass es weiß, dass seine Eltern sich der Frage bewusst sind und dass es in jedem Fall mit seinen Eltern über das Thema reden kann.
  • Machen Sie deutlich, dass Ihr Kind nicht an irgendwelchen Cyberbullying-Aktionen teilnehmen soll, sagen Sie ihm, dass das nicht lustig ist und dass es anständig sein sollte, auch online.
  • Bringen Sie Ihrem Kind bei sichere Passwörter zu benutzen, um Konten auf sozialen Netzwerkseiten nicht zu gefährden.
  • Achten Sie auf die online Aktivitäten Ihres Kindes, bleiben Sie auf dem Laufenden mit dem, was Ihr Kind online macht, um potenzielle Gefahren online zu erkennen.
  • Sichern Sie Internet verbundene Geräte.