Von den meisten Kindern wird der Schulstart mit Neugier und mit Freude erwartet.

ersterschultag Pol z.B. und ihre Kindergartenfreunde fiebern diesem Tag entgegen. Immer wieder erkundigen sie sich bei ihren Eltern, wie dieser Tag verlaufen wird und wie viele Nächte noch bis dahin zu schlafen sind. Denn: Sie wollen endlich lesen, schreiben und rechnen lernen so wie die älteren Geschwister und die großen Nachbarskinder.

Der Schuleintritt ist eine Umstellung für die ganze Familie, ein besonders einprägsames Ereignis im Leben eines Kindes. Die Familie steht vor besonderen Herausforderungen, sie muss sich neu organisieren. Eltern, die ihr erstes Kind einschulen sind oft überrascht, wie groß der Schuleinfluss auf das Familienleben ist. Das beginnt schon beim täglichen Tagesrythmus und endet bei den Urlaubsplänen, die nun an die Ferienzeiten gebunden sind.

Der erfolgreiche Star eines Lernanfängers hängt natürlich auch davon ab, wie sich Vater und Mutter auf die neue Situation einstellen.

Kinder müssen sich in kurzer Zeit auf die Lehrerin, die neuen Mitschüler, die neue Umgebung und die Anstrengungen eines Schulalltags einstellen. Es ist gut, wenn Eltern sich in dieser Umstellungsphase bewusst Zeit nehmen und auch immer wieder einmal nachfragen, wie es dem Kind in der Schule ergangen ist. Das Kind sollte sich auf keinen Fall alleingelassen fühlen. Kinder reden vor allem dann, wenn es zuhause üblich ist, über alles zu reden. Wenn es also normal ist, dass die Eltern erzählen, wie es ihnen gegangen ist, dass miteinander reden ein natürlicher Ablauf ist.
Eine schulische Überforderung zeigt sich etwa darin, dass Dinge, die ihr Kind bis dahin mit Leichtigkeit und Fröhlichkeit getan hat, plötzlich traurig und schwer werden.
Es ist wichtig, dass sie achtsam sind und sich mit ihrem Kind einfühlend auseinandersetzen. Vermitteln sie dem Kind durch Zuhören Zuversicht und Geduld im Umgang mit seinen möglichen Ängsten und Sorgen.
Um diese ersten aufregenden Schulwochen zu bewältigen, braucht jeder Schulneuling vor allem Selbstvertrauen und das Gefühl der Geborgenheit in der Familie. Gerade jetzt sollte er erleben, dass die Eltern seine engsten Vertrauten sind, mit denen er alles besprechen kann.

Manchmal ist der Schulstart auch mit Angst und Unsicherheit  verbunden.

Kinder beschäftigen Fragen wie: ich weiß nicht, wie die neue Sitzordnung ist, und ob ich neben meiner besten Freundin sitzen kann. Ich habe Angst, dass alle einen Sitzplatz haben und ich mich irgendwohin setzen muss. Manche Kinder haben schon Monate vor der Einschulung Angst. Steigender Bildungsdruck zeigt seine Wirkung. Der steigende Erfolgsdruck ist die Kehrseite einer an sich positiven Entwicklung- nämlich, die Bildung in den Focus rückt und Schule mehr Aufmerksamkeit gibt.

Eltern und andere Bezugspersonen können mithelfen, dass der Schulstart gut gelingt und das Kind positive erste Schulerfahrungen macht.

Weder überambitionierte Förderung noch überzogene Strenge und Disziplin haben einen positiven Einfluss auf die seelische, emotionale oder kognitive Entwicklung von Kindern.

Lernen funktioniert vor allem dann gut, wenn Kinder glücklich sind und keine Furcht vor Strafen haben müssen. Sind Kinder mit Spaß und Freude bei der Sache, dann sind sie aufnahmebereit. Sie probieren aus, machen Fehler, scheitern und versuchen es auf ein Neues. Das funktioniert aber nur in einem angstfreien Raum, in einem Gefühl der Geborgenheit. Die Neurobiologie zeigt, dass sich beim lustvollen Lernen im Gehirn Strukturen bilden, die es dann ermöglichen, die vielen Probleme, die ein ganz normales Leben mit sich bringt, kreativ und konstruktiv zu lösen. Angst, Furcht und Druck stören diesen Vorgang.

Wissenschaftler der TU Dresden, die den Einfluss der Schule auf das Wohlergehen von Kindern untersuchten, zeigen auf, dass Schule krank machen kann. Jeder fünfte Schüler litt an Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Wolfgang Metzler, der Leiter der Forschungsgruppe nennt als maßgeblichen Krankheitsauslöser u.a. zu hohe Elternerwartungen. Extrem schlimm ist es, wenn Eltern die Wertschätzung ihrer Kinder vom Schulerfolg abhängig machen.

Fordern und fördern sie das Kind ganz nebenbei im Alltag. Kinder entwickeln ihre Fähigkeiten indem sie vielfältige Erfahrungen machen. Eine selbstständig bewältigte Aufgabe und ein selbst erreichter Erfolg machen dem Kind besondere Freude und geben Sicherheit für weitere Leistungen. Sehr wichtig ist für das Kind Lob und Ermutigung. Schon das Bemühen und kleine Fortschritte sollten Anerkennung erfahren. So fühlt sich das Kind beachtet und geschätzt.


Was kann man sonst noch tun um den Schulstart zu erleichtern?

Zu üben sind vor Schulbeginn vor allem zwei Dinge: Der sicherste Weg zur Schule und das selbstständige An- und Ausziehen.
Es beeinträchtigt das Selbstvertrauen eines Schulkindes enorm, wenn es beispielsweise vor oder nach der Sportstunde auf Hilfe angewiesen ist und alle anderen dadurch länger warten müssen. Zweckmäßige Kleidungsstücke mit praktischen Verschlüssen erleichtern dem Kind das selbstständige An- und Ausziehen.

Verloren gegangen Sachen finden sich schnell wieder, wenn die Kleidungsstücke mit Namen versehen sind.

Dass, der Schulneuling bei der Auswahl des Schulranzens mitentscheiden darf, steht außer Frage.  Der neue Ranzen sollte nach Stiftung Warentest folgende Qualitätskriterien erfüllen:  Er muss stabil, formbeständig und standfest sein. Breite selbst verstellbare Gurte sind ebenso wichtig wie eine körpergerechte Rückwand mit kreuzschonender Polsterung.

Hefte, Stifte, Zeichenmaterialien und Sportzeug sollten besser erst dann gekauft werden, wenn die Materialliste der Lehrerin vorliegt.

Das Kind braucht jetzt einen eigenen Platz, an dem es ungestört die Arbeiten erledigen kann, die es will und muss. Gute Lernbedingungen zu schaffen erleichtert das Zurechtfinden mit den neuen Anforderungen und das Verarbeiten neuer Erfahrungen.

Sehen sie dem Schulanfang gelassen entgegen und begleiten sie ihr Kind liebevoll.
Vielleicht finden sie die Zeit den ersten Schultag mit einem schönen Ritual abzuschließen, so dass dieser Tag ihrem Kind ganz besonders im Gedächtnis bleibt.

Wenn das Kind deutliche Unlust hat oder besondere Angst in die Schule zu gehen, dann können sie sich jederzeit an das Elterntelefon wenden.

Elterntelefon: Sie erreichen uns unter der Telefonnummer 26 6405 55
Wir beraten anonym und vertraulich. Gegebenfalls können wir ihnen sagen, wo sie weitere Hilfe finden.
Kanner-Jugendtelefon: Sie können ihr Kind auch gerne ermutigen uns am Kanner-Jugendtelefon anonym und vertraulich unter der Nummer 116 111 anzurufen oder unsere Online-Help zu nutzen.

Weiter Informationen finden sie auf www.kjt.lu

Was schulreife Kinder können sollen

Die Körpergröße allein ist kein Kriterium für die Schulfähigkeit. Auch schreiben und rechnen müssen Vorschüler nicht können. Einige grundlegende Fähigkeiten sind jedoch Voraussetzung für gemeinsames, systematisches Lernen:

  • Schulreife Kinder halten Spielregeln ein, reden nicht immer dazwischen und beherrschen einfache Umgangsformen wie Bitte und Danke sagen.
  • Sie sind so selbstständig, dass sie sich ohne Hilfe an- und ausziehen, Obst schälen und Brote schmieren können.
  • Wer in die Schule will, muss Laute richtig aussprechen und zwischen „s“ und “sch“ gut unterscheiden können.
  • Abc-Schützen müssen ihren Ranzen selbst tragen. Rad fahren, balancieren und klettern sind notwendige grobmotorische Kompetenzen. Mit d Schere umgehen, malen und das Zuknöpfen sind feinmotorische Fähigkeiten, die jedes Kind mitbringen soll.
  • Was oft unterschätzt wird. Wer in die Schule will, muss auf andere zugehen und Freundschaften schließen können. Emotional reife Kinder schlagen nicht einfach zu, wenn ihnen etwas nicht passt.

Quelle: Eltern&Kindergarten…gemeinsam mehr erreichen. Ausgabe 7/2006, s.1-2. ISSN 1613-5962. RAABE Fachverlag für die Schule.

Buchtipp:

Morgen komme ich in die Schule. Mira Lobe. Jumbo 2006 (ab 5 Jahre).

Die Einschulung ist für jedes Kind Aufregung pur. Wie es wohl in der Schule zugeht? Wer wird neben mir sitzen? Warum meint Papa, jetzt beginne der Ernst des Lebens? Am ersten Schultag gibt es dann so manche Überraschung …  Wichtig ist natürlich auch, den Schulweg sicher zu bewältigen. Darauf bereitet die vergnügliche zweite Geschichte vor. So kann der große Tag kommen!