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Weihnachten ist ein Fest des Teilens... Teilen Sie den Menschen die Ihnen wichtig sind mit, dass sie nicht alleine sind

 

In vielen Kulturen geht es in der Weihnachtszeit hauptsächlich darum mit der Familie gemeinsam Zeit zu verbringen. Diese Tradition ist natürlich einer der Hauptgründe warum Weihnachten gefeiert wird. Unabhängig vom Glauben ist dies auch eine Zeit die man mit seiner Familie verbringt. Dieses Familienideal wird noch zusätzlich durch unsere Kultur, unsere Gemeinschaft und Mainstreamwerbungen verstärkt.

Doch was wenn Zeit mit der Familie verbringen komplizierter ist als gedacht? Trennungen, Scheidungen, weite Entfernungen und andere Schwierigkeiten innerhalb der Familie können zu Spannungen, wie finanzielle oder Gesundheitsprobleme, führen. In anderen Worten: das konventionelle Bild der Kernfamilie verändert sich, und das lässt das Potenzial für weitere Spannungen wachsen. Lange Strecken zurücklegen, herumfahren, verschiedene Leute besuchen und sich in einer vorübergehenden Unterkunft aufhalten kann zusätzlicher Stress für Familien bedeuten. Die Weihnachtszeit entwickelt sich vermehrt zu einer Zeit in der Familien unter Druck stehen und Geld das weit über ihrem Budget für das Reisen, für Geschenke, für Festtagsessen und weitere Luxusartikel ausgeben. Hinzu kommt, dass viele Familien dazu tendieren wieder in alte Beziehungsmuster zu verfallen oder sich wieder über alte Themen streiten nachdem sie sich über einen längeren Zeitraum nicht gesehen haben. Dies passiert insbesondere dann wenn Alkohol im Spiel ist. Die Erwartungen an ein ‘fröhliches Weihnachtsfest’ und der Druck die gesellschaftlichen Ideale befolgen zu müssen können eine große Belastung für Eltern und Kinder darstellen, ganz besonders dann wenn man überall von Nachrichten umgeben ist die einem vermitteln, dass man doch eigentlich eine schöne Zeit haben sollte.

Als Erwachsene müssen wir uns bewusst sein, dass es vielleicht einigen unserer Kinder und Freunde ähnlich geht, sie sich ängstlich und von dem ganzen (Vor)-Weihnachtstrubel ausgeschlossen fühlen. Vielleicht fühlen sie sich sogar beschämt oder schuldig, da sich bei ihnen keine weihnachtlichen Glücksgefühle einstellen obwohl sich doch um diese Jahreszeit eigentlich jeder so fühlen sollte. Es kann sehr schwierig sein dies in der Familie anzusprechen, denn man möchte ja nicht die Gefühle anderer verletzen. Wenn Sie sich um ein Kind, einen jungen Erwachsenen oder einen Freund sorgen, können Sie vielleicht helfen indem Sie ihn einfach fragen wie er/sie Weihnachten empfindet. Achten Sie darauf zuzuhören was die Betroffenen zu sagen haben. Kinder und Erwachsene nehmen oft an, dass ihr Problem nicht von anderen geteilt wird und sie werden sich erleichtert fühlen zu wissen, dass oftmals viele Familien während dieser Zeit Schwierigkeiten haben.

Als Eltern kann es hilfreich sein im Voraus zu planen, besonders dann wenn Sie Familie und Freunde besuchen die weiter entfernt von Ihrem Zuhause leben. Versuchen Sie ihre älteren Kinder in die Planung miteinzubeziehen. Versuchen Sie auch das ständige Unterwegssein so gut wie möglich einzustellen: jüngere Kinder geraten so schneller aus ihrem Rhythmus was zu Reizüberflutung und emotionalen Ausbrüchen führen kann. Kinder sind sehr feinfühlig was den Stresslevel von Erwachsenen um sie herum betrifft. Deshalb kann es sein, dass Kinder so die Ängstlichkeit ihrer Eltern teilen falls es bestimmte Belastungen innerhalb der erweiterten Familie gibt. Wenn Sie Familie oder Freunde besuchen oder bei ihnen übernachten ist es von Vorteil offen darüber zu reden, wahrscheinlich begrüßen ihre Kinder diese Gelegenheit Ihnen ihre Sorgen mitzuteilen.

Falls Sie getrennt oder geschieden sind, kann Weihnachten besonders schwierig sein, da Kinder generell nicht zwischen den beiden Elternteilen wählen wollen und demnach vielleicht eher darauf bestehen die Feiertage gemeinsam zu verbringen. Darüber hinaus haben neue Familien auch andere Traditionen an die es sich nach und nach zu gewöhnen gibt. Dies alles kann ein wenig überwältigend sein, gerade dann wenn man sich erst vor kurzem getrennt hat oder wenn es um das erste Weihnachten als getrenntes Paar geht. Hilfreich kann es sein die Kinder so gut wie es geht mit in die Planung einzubeziehen und ihnen die Möglichkeit zu geben frei zu wählen mit wem sie Weihnachten verbringen möchten. Zeit alleine mit den Kindern zu verbringen ist auch eine schöne Idee.

Dankbarkeit innerhalb der Familie zu zelebrieren kann Kindern und auch Erwachsenen helfen sich auf das Wesentliche in der Weihnachtszeit zu besinnen: dankbar sein für das was man hat anstatt sich darauf zu fokussieren was man noch alles haben möchte. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten solch eine Dankbarkeitstradition einzuführen und Studien haben erwiesen, dass solche Traditionen das Gefühl des Wohlbefindens sowie die Empathie steigern. Es gibt auch spaßige Weihnachtsspielalternativen die man spielen kann wenn der Truthahn angebrannt ist wie zum Beispiel ‘Es könnte schlimmer sein’ oder ‘Wofür ich dankbar bin’- Scharade. Eine gesunde Portion Humor ist immer empfehlenswert und hilft sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass Weihnachten nicht perfekt sein muss.

Am Wichtigsten aber ist, dass es immer jemanden gibt mit dem man am Kanner-Jugendtelefon 116111 oder über die Online Help anonym und vertraulich sprechen kann. Die freiwilligen Helfer sind auch über die Feiertage hinweg verfügbar falls ein Kind, Jugendlicher oder ein Erwachsener Informationen, einen Rat oder nur jemand Unvoreingenommenen zum Reden braucht. Auf der Seite www.kjt.lu können Sie uns finden.